Der Campus (Archi­tektur)

Mehr als nur ein Schul­ge­bäude: Die Archi­tektur des Erzbi­schöf­lichen Bildungs­campus Köln-Kalk

Im Herzen des Kölner Stadt­teils Kalk ist ein archi­tek­to­ni­sches und pädago­gi­sches Leucht­turm­projekt entstanden. Der Erzbi­schöf­liche Bildungs­campus, der im Juli 2025 offiziell einge­weiht wurde, ist ein klares Bekenntnis des Erzbistums Köln zu mehr Bildungs­ge­rech­tigkeit. Auf dem rund 11.000 Quadrat­meter großen Gelände an der Christian-Sünner-Straße wurde ein Gebäu­de­en­semble reali­siert, das weit über die Funktion einer reinen Lehran­stalt hinausgeht und selbst zum „Lernpartner“ wird.

 

Ein Ensemble, das Verbindung schafft

Das Archi­tek­turbüro Hausmann Archi­tektur aus Aachen und Köln, das bereits ab der Entwurfs­planung invol­viert war, hat einen Komplex entworfen, der sich bewusst in das indus­triell geprägte Umfeld Kalks einfügt und es gleich­zeitig neu inter­pre­tiert . Der Sieger­entwurf eines Reali­sie­rungs­wett­be­werbs aus dem Jahr 2019 sah ein klares, winkel­för­miges Ensemble vor.

Die Anlage besteht aus drei Haupt­ele­menten: der vierge­schos­sigen Gesamt­schule (Sekun­dar­stufe I & II), der dreige­schos­sigen Grund­schule und einem einge­schos­sigen Forum, das als verbin­dendes Herzstück fungiert. Diese „gemeinsame Mitte“ ist mehr als nur ein Verteiler; sie beher­bergt Funktionen wie Mensa und Begeg­nungs­zonen sowie angeschlossen ein Elterncafé, welches den Campus in den Stadtteil hinein öffnet. Der Vorplatz im Norden des Grund­stücks schafft einen einla­denden Übergang zur angren­zenden Nachbar­schaft.

Atembe­rau­bende Räume für eine neue Pädagogik

Die Archi­tektur des Bildungs­campus ist die physische Manifes­tation seines innova­tiven pädago­gi­schen Konzepts, das auf selbst­or­ga­ni­siertem Lernen, indivi­du­eller Begleitung und ganzheit­licher Förderung basiert . Thomas Pitsch, Bereichs­leiter Schule und Hochschule im Erzbistum Köln, beschreibt die Gestaltung als “atembe­raubend” und betont, dass sie den Kindern das Gefühl von Gebor­genheit und Wertschätzung vermittele .

Das Herzstück des Lernens sind die sogenannten Lernate­liers. Diese sind keine klassi­schen Klassen­zimmer, sondern großzügige, flexible Flächen. Durch clevere Trenn­wände entstehen hier ruhige Arbeits­ni­schen, in denen die „Lernpartner“ – so die offizielle Bezeichnung für die Schüler – in ihrem eigenen Tempo arbeiten können.

Zwischen diesen Lernate­liers liegen die „Markt­plätze“: offene, helle und flexibel nutzbare Bereiche. Sie dienen als Kommu­ni­ka­tions- und Kolla­bo­ra­ti­onszone, in der die Kinder zusam­men­kommen, um im Team zu arbeiten oder Aufgaben gemeinsam zu lösen. Diese Zonen können bei Bedarf sogar nach außen erweitert werden, um noch mehr Raum für kreatives Arbeiten zu schaffen.

Ein weiteres archi­tek­to­ni­sches Highlight ist die 70 Meter lange „Schul­straße“, die als zentrale Verbin­dungs­achse fungiert und das Flanieren, Begegnen und Verweilen im Schul­alltag fördert.

Gebor­genheit in Clustern und Offenheit zum Viertel

Das Raumkonzept folgt einer klaren Gliederung. Die allge­meinen Lernbe­reiche sind in sogenannten Clustern organi­siert. Jeweils vier Lerngruppen bilden eine Einheit, der gemein­schaftlich genutzte Räume wie ein Teamraum für Pädagogen, ein Ganztagsraum und Sanitär­an­lagen zugeordnet sind. Diese Cluster gruppieren sich um eine gemeinsame Mitte mit erwei­terten Lern- und Aufent­halts­zonen und öffnen sich zu großzü­gigen Lernter­rassen im Freien. Sie sind die geschützten „Heimat­be­reiche“ für die Schüler.

Trotz dieser Rückzugsorte ist der Campus alles andere als eine isolierte Einheit. Ein öffent­liches Elterncafé, ein Schul­garten und großzügige Spiel- und Bewegungs­flächen ziehen die Nachbar­schaft aktiv mit ein. Ein integriertes Thera­pie­zentrum in Koope­ration mit der Jugend­hilfe schafft niedrig­schwellige Angebote, die weit über den Schul­alltag hinaus­gehen. Auch ein „Raum der Stille“ wurde geschaffen, um Rückzug, Besinnung und spiri­tuelle Entwicklung zu ermög­lichen.

Ein Zeichen für die Zukunft

Mit einem Inves­ti­ti­ons­vo­lumen von rund 80 Millionen Euro hat das Erzbistum Köln hier nicht nur eine Schule gebaut, sondern einen ganzen Lebensraum für bis zu 1000 Schüle­rinnen und Schüler geschaffen. Nach einem langen Weg, der mit einem Werkstatt­ver­fahren begann, bei dem Anwohner und zukünftige Nutzer ihre Ideen einbringen konnten, war die Einweihung durch Rainer Maria Kardinal Woelki am 7. Juli 2025 der freudige Moment der Feier, dass dieser neue Lern- und Lebensraum entstanden ist.

Der Erzbi­schöf­liche Bildungs­campus Köln-Kalk ist ein Parade­bei­spiel dafür, wie moderne Archi­tektur pädago­gische Konzepte nicht nur beher­bergen, sondern aktiv befördern kann – ein Ort des Vertrauens und der Nähe, der junge Menschen vom Kinder­garten bis in den Beruf begleitet und ihnen hilft, ihre „Flügel auszu­breiten“.